Yukon Beringia Interpretive Centre

Weit sichtbar ist das Symbol des Yukon Beringia Interpretive Centre, ein urgeschichtliches Mammut, zu sehen.


Mammut

Der Eingang

Was ist Beringia ?

Das Wort Beringia wurde erstmalig im Jahr 1937 von dem schwedischen Botaniker Eric Hulten verwendet. Ihm fiel die bemerkenswerte Ähnlichkeit von Pflanzen zu beiden Seiten der Beringstraße auf. Er theorisierte davon ausgehend, daß Sibirien und Alaska einst mittels einer Landbrücke verbunden gewesen sein mußten. Beringia ist nach der Beringstraße benannt und umfaßt ein Gebiet, das sich von der Lena in Sibirien bis zum Mackenzie River in den Northwest Territories erstreckt. Dieser Subkontinent wurde während den Eiszeiten gebildet, als riesige kontinentale Eisfelder weite Teile der nördlichen Hemisphäre überzogen. Diese Eisfelder hielten einen großen Teil der Wassermassen der Welt auf dem Land gebunden, so daß die Meeresspiegel zeitweise um bis zu 125 Meter absanken. Dies führte zur Trockenlegung von Teilen der Beringsee und der Beringstraße - die Landbrücke entstand.

Wir können heute nachvollziehen, daß dies so geschah, da vom heutigen Meeresboden in der Beringsee genommene Bodenproben Pflanzenreste von Landpflanzen, die auf dem einst trockengelegten Meeresboden wuchsen, aufweisen. Dieses unermeßlich große und weite Land war Heimat von Tieren, die wir heute noch hier antreffen, sowie von Arten die heute ausgestorben sind.

1. Scimitar Katze

Die Scimitar Katze war ein Beutejäger von der Größe eines Löwen, der während der ausgehenden letzten Eiszeit in den meisten Regionen Kanadas und der Vereinigten Staaten lebte. Sie jagte große, dickhäutige Pflanzenfresser, einschließlich Mammut und Mastodon. Ihre langen Krallen benutzte die Scimitar Katze wahrscheinlich dazu, um beim Töten durch das Fleisch der Beute zu schneiden.

Scimitar Katzen waren, im Vergleich zu ihren Verwandten der Gegenwart (z.B. Löwe oder Gepard), wahrscheinlich Sohlengänger. Sie waren offensichtlich nicht so schnell wie die Mitglieder der heutigen Familie der Katzen, und verließen sich auf kurze, schnelle Sprints, um ihre Beute zu fangen.

Im Yukon wurden bisher noch keine gefrorenen Kadaver der Scimitar Katze, sondern nur eine Vielzahl von Knochen gefunden.

2. Würdigung der First Nations und Goldsucher

Wir sind den Goldsuchern und First Nations (Ureinwohnern), die zur Entschlüsselung unserer Vergangenheit beigetragen haben, zu Dank verpflichtet. Spenden von Fundstücken und Unterstützung durch die hier aufgeführten Personen haben zu den Geschichten und Displays im Yukon Beringia Interpretive Centre beigetragen.

Viele der Fossilien Beringias sind im Permafrostboden, der seit der letzten Eiszeit gefroren ist, erhalten geblieben. Goldsucher im Yukon und im angrenzenden Alaska tragen riesige Mengen dieses Permafrostbodens ab, um die darunterliegenden goldhaltigen Schotter zu erreichen. Auf diese Weise treten viele Fossilien, einschließlich Skelette von Giganten wie dem Mammut und dem Steppenbison, zu Tage. Manchmal werden sogar Kadaver gefunden - mit konservierter Haut, Muskelfleisch und Haaren.

Wir sind den vielen Goldgräbern, die dazu beigetragen haben, daß diese Fossilien zusammengetragen wurden und für unsere Sammlungen, Studien und Ausstellung zur Verfügung stehen, dankbar.

Sie haben auf hervorragende Weise zu unserem Verständnis für Vergangenheit des Yukon beigetragen.

Lee Olynyk Ron Toews, Norm Ross Lisle Gatenby, Jerry Klein Pete Risby, die Schmidt Familie.

Über mehr als 30 Jahre hinweg haben die Vuntut Gwitchin Indianer aus Old Crow Wissenschaftler bei Forschungsarbeiten zur eiszeitlichen Geschichte Beringias in der Gegend um Old Crow geführt und unterstützt. Beeindruckende Fossilien kommen noch immer an den Steilufern des Old Crow River und des Porcupine River im nördlichen Yukon zum Vorschein, während sich diese Flüsse weiter in die Ablagerungen urzeitlicher Seen einschneiden. Spuren der ersten Menschen Nordamerikas wurden im nördlichen Yukon gefunden. Die Beiträge der Einwohner von Old Crow zu Studien in dieser Gegend werden hier dankbar gewürdigt:

Charlie Peter Charlie Charlie Thomas, Lazarus Charlie Abraham Peter, John Joe Kay Peter Lord

3. Das Yukon Beringia Interpretive Centre

Die Geschichte von Beringia und den Eiszeiten ist ein essentieller Teil der Geschichte des Yukon. In den Legenden der First Nations, die von Monster und der Erschaffung der Welt aus einem überflutetem Land berichten, lebt die Epoche der Eiszeit wieder auf.

Spektakuläre Fossilienfunde durch Goldsucher während des Klondike Goldrausch lenkten die Aufmerksamkeit der Welt auf die Vergangenheit des Yukon. Berühmt wurden auch Funde von Fossilien und von Menschenhand geschaffenen Gegenständen bei Old Crow. Mit ihrer Hilfe wurde die Ankunft der ersten Menschen in Nordamerika dokumentiert.

Das Yukon Beringia Interpretive Centre stellt eine Einführung in die reichhaltige Geschichte Beringias dar – und ist Ihr erster Schritt auf einer Reise zur Eiszeit.

4. Das Wollhaarmammut

Dieses Exemplar, vier Meter groß und 3,6 Meter lang, mit 2,5 Meter langen Stoßzähnen, ist eine originalgetreue Nachbildung eines des größten Mammutskelette, das jemals gefunden wurde.

Zur Zeit der Wollhaarmammuts bildeten die größten Teile des nicht vergletscherten Yukon eine kalte, trockene Tundralandschaft, die reich an Gräsern und Salbeigewächsen war, jedoch kaum Bäume wachsen ließ. Wir bezeichnen diese Grasländer der Eiszeit heutzutage als „Mammutsteppe".

Die jüngsten Mammutfossilien Nordamerikas sind etwa 12.000 Jahre alt. Auf der Wrangel-Insel nördlich von Sibirien überlebte eine zwergwüchsige Version des Wollhaarmammuts bis in die Zeit vor etwa 4.000 Jahren.

Das Wollhaarmammut war das am weitesten verbreitete Tier Beringias. Seine Größe entsprach der eines modernen asiatischen Elefanten und es wog mehr als drei Tonnen. Das hier ausgestellte Exemplar beruht auf einem in Wisconsin gefundenen Original.

In den Geschichten der Ureinwohner sind Mammuts eine der wichtigsten eiszeitlichen Tierart. Berichte von Angriffen durch Mammuts, und vom Fallenstellen und Erlegen dieser riesigen „Bestien", werden von allen Ureinwohnergruppen im Yukon überliefert.

5. Der Kurznasige Bär

Das größte Landraubtier der Eiszeit, der Kurznasige Bär, maß 1,5 Meter Schulterhöhe. Ein großes ausgewachsenes Männchen mag mehr als 700 Kilogramm gewogen haben, etwas mehr als ein großer Eisbär.

Diese gewaltigen Tiere waren fast ausschließliche Fleischfresser. Jüngste Untersuchungen zeigen auf, daß sie wahrscheinlich bevorzugten, Beute zu stehlen anstatt selber zu jagen.

Die Kurznasigen Bären lebten im Yukon und in Alaska von vor ca. 44.000 bis zu 20.000 Jahren, während einer milderen Periode vor dem letzten Vorstoß der Eisfelder.

Der Kurznasige Bär war nicht sehr nahe mit den heutigen Bären Nordamerikas verwandt. Sein nächster lebender Verwandte ist der Brillenbär in Südamerika.
Während der ausgehenden Eiszeit lebten sie in nahezu allen Teilen Nordamerikas mit Ausnahme der südwestlichen Vereinigten Staaten. Die Kurznasigen Bären starben vor etwa 11.000 Jahren aus.

Das hier ausgestellte Exemplar ist einem Originalskelett aus Illinois nachgebildet.

6. Einführung zu Beringia

Zwischen zwei Kontinenten, am Rande der Arktis, befand sich das urzeitliche Land Beringia. Dieses Land war dominiert von Eis, riesigen Säugetieren und den ersten Menschen.

Wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. Man möchte glauben, daß unser heutiges Klima typisch ist, doch in den letzten zwei Millionen Jahren wurde die nördliche Hemisphäre von Eiszeiten beherrscht.

Während den Eiszeiten breiteten sich gewaltige Gletscher in der nördlichen Hemisphäre aus und froren einen großen Teil der Wasservorräte der Erde ein.

Die Meeresspiegel sanken weltweit um 100 bis 150 Meter, der Meeresboden der Beringsee wurde infolge dessen trockengelegt und eine Landverbindung zwischen Sibirien und Alaska entstand (auf der Karte grün dargestellt). Diese Landbrücke war Teil eines größeren, nichtvergletscherten Gebietes - Beringia.

In Beringia haben sich niemals Gletscher gebildet, da die klimatischen Verhältnisse zu trocken waren. Beringia, besiedelt von den widerstandsfähigen Gräsern und krautartigen Gewächsen der Mammutsteppe, war Heimat der Giganten der Eiszeit: Des Mammuts, des Kurznasigen Bären, des Steppenbison und des Riesenbibers. Zum Höhepunkt der letzten Eiszeit kam der Mensch - der erfolgreichste aller Jäger - aus den sibirischen Steppen nach Beringia und eroberte das letzte Grenzgebiet für die Menschheit.

Beringia verschwand zum Ende der letzten Eiszeit. Aber Teilgebiete dieses verlorenen Landes sind noch immer in Sibirien und in den nördlichen und zentralen Teilen Alaskas und des Yukon sichtbar.

7. Die Beringianischen Epochen

Die Eiszeit war eines der jüngsten Kapitel in der Geschichte der Welt. Wir sprechen von dieser Zeit als dem Pleistozän.

Beginnend vor etwa zwei Millionen Jahren breiteten sich wiederholt kontinentale Eisfelder in der nördlichen Hemisphäre und zogen sich wieder zurück. Wärmere Perioden, Zwischeneiszeiten genannt, trennten die Eiszeiten voneinander und dauerten oft Zehntausende von Jahren an.

Während dem Pleistozän wurde das nördliche Nordamerika, Europa und kleine Teile Asiens von Eisfeldern bedeckt. Die bedeutendsten Eisfelder Nordamerikas waren das Kordillieren-Eisfeld, das sich von den westlichen Gebirgsketten her ausdehnte, und das Laurentide-Eisfeld, das sich von der nördlichen Arktis her ausbreitete. Berggletscher kamen auch aus den Appalachen und anderen östlichen Gebirgen.

Die letzte dieser Eiszeiten, die Wisconsinan (auch McConnell) Eiszeit begann vor etwa 70.000 Jahren und endete vor etwa 10.000 Jahren. Der Name Wisconsinan Eiszeit stammt vom US-Staat Wisconsin, wo Spuren der Vereisung gut erhalten geblieben sind.

Die heutigen Klima- und Vegetationsverhältnisse haben sich in den letzten 10.000 Jahren (dem Holozän) etabliert. Viele Wissenschaftler sind der Ansicht, daß diese Wärmeperiode lediglich eine weitere Zwischeneiszeit darstellt.

9. Gletscher und Landschaftsformationen

Berge sind besonders gute Weiser für Gletscheraktivität. Ihre gezackten Formen zeigen auf, wo Gletschereis Gestein von den Berghängen gekratzt hat. In Gebieten, die eisfrei waren, sind die Silhouetten der Berge rund, von der über Jahrmillionen hinweg gleichmäßigen Verwitterung. Obwohl die Berge in der Gegend von Whitehorse stark vergletschert waren, haben sie sanfte, gerundete Formen, da der weiche Kalkstein sich leicht abschleifen und ablösen ließ.

Beobachten Sie während Ihrer Reise durch den Yukon die unterschiedlichen Formen der Berge und versuchen Sie zu erkennen, welche vergletschert waren und welche nicht. Versuchen Sie, Felsen zu finden, die von anderen Orten herantransportiert wurden und sich offensichtlich von den anderen Gesteinen der Umgebung unterscheiden. Man bezeichnet diese Gesteine als "erratics". Viele von ihnen wurden durch Gletscher von ihren Ursprungsplätzen wegtransportiert. Wo Sie keine "erratics" entdecken können, befinden Sie sich eventuell in vormals unvergletscherten Regionen.

10. Fremd und vertraut

Diese Schautafel zeigt Kamel ("yesterday’s camel"), Amerikanischen Löwen, Riesenbiber, Barren-Ground Caribou, Rotfuchs, Kragen-Pfeifhase und Wolf.

Die eiszeitlichen Tiere Beringias umfassen sowohl fremde als auch vertraute Kreaturen. Gegen Ende der Eiszeit zogen einige dieser Tiere wie zum Beispiel der Moschusochse, einfach in andere Gegenden. Andere wie zum Beispiel Wolf, Luchs, Rotfuchs, Karibou, Dall-Schaf, Vielfraß, Kragen-Pfeifhase und der Schneehase befinden sich noch immer hier.

Zum Ende der Eiszeit verschwand ein großer Teil der Tierwelt, darunter viele, die für die Eiszeit typisch waren. Wollhaarmammut, Kamel ("yesterday’s camel"), Riesenbiber, Amerikanischer Löwe, Kurznasiger Bär und Scimitar Katze starben alle vor ca. 10.000 Jahren aus.

Nicht alle dieser Tiere lebten zur selben Zeit in Beringia. Von Mastodon, Riesenbiber und vom Jeffersonschen Riesenfaultier ist bekannt, daß sie hier nur zu Zeiten zwischen den Vergletscherungen - als dieses Gebiet, wärmer, feuchter und stärker bewaldet war - gelebt haben. Andere Tiere wie die Saiga Antilope sind heutzutage nur in Asien anzutreffen. Es wird vermutet, daß die Saiga-Antilope hier nur während den Eiszeiten gelebt hat, als die Landschaft trocken, offen und mit Gräsern bewachsen war. Der Steppenbüffel ist ein gutes Beispiel für eine Art, die sich schnell an die Veränderungen anpaßte. In vielen Fällen entdecken wir noch immer, wann und wie die Tiere Beringias lebten, und fügen so allmählich die Teile des Beringianischen Puzzles zusammen.

11. Das Jeffersonsche Riesenfaultier

Dieses Ausstellungsstück zeigt eines der merkwürdigsten Tiere Beringias - das Jeffersonsche Riesenfaultier. Es hatte etwa die Größe eines Ochsen, war etwa 2,5 bis drei Meter lang und wog vermutlich mehr als eine Tonne. Riesenfaultiere waren Pflanzenfresser. Ihre gleichlangen Zähne mit abgeflachten Stümpfen und die gebogenen Krallen an den Vorderfüssen haben ihnen wahrscheinlich ermöglicht, belaubte Zweige aus den Baumkronen herabzuziehen.

Das Jeffersonsche Riesenfaultier ist eine von mehreren Riesenfaultierarten, die die westliche Hemisphäre bewohnten. Es wurde zu Ehren des U.S. Präsidenten Thomas Jefferson, einem der ersten Paläontologen Nordamerikas, benannt.

Das Riesenfaultier stammt ursprünglich aus Südamerika und zog vor etwa fünf Millionen Jahren nach Nordamerika. Das hier gezeigte Exemplar ist eine Rekonstruktion von in Alaska und im Yukon gefundenen Originalknochen, die offensichtlich aus der Zwischeneiszeit vor der Wisconsinan Eiszeit (vor 150.000 bis 130.000 Jahren) stammen.

In dieser warmen Periode war ein großer Teil Beringias bewaldet, im Gegensatz zum von der Mammutsteppe dominierten Lebensraum, der in den meisten Schaubildern des Beringia Centres dargestellt wird. Fossilien des Riesenfaultiers wurden im Yukon in der Gegend von Old Crow gefunden, nicht jedoch in den Goldfeldern rund um Dawson City. Weiter südlich lebte das Jefferson’sche Riesenfaultier bis vor etwa 9.400 Jahren.

13. Winterlager

In diesem Diorama sehen Sie eine First Nations Familie in einem traditionellen Zelt aus Tierhäuten, umgeben von Eis, Schnee und Wölfen. Viele Traditionen des Nordens sind unverändert geblieben. Ob in der Mammutsteppe Beringias oder den borealen Wäldern des Yukon, die Schlüssel zum Überleben waren warme Kleidung, häufiger Ortswechsel und detaillierte Kenntnis der Landschaft. Winterlager wie dieses mögen ihr grundlegendes Design über Jahrtausende hinweg nicht verändert haben. Sie waren transportabel und warm, wenn auch nicht sehr komfortabel. Die Ältesten der Indianer erinnern sich noch daran, wie rauchig es in diesen Tierhaut-Zelten werden konnte.

In den langen, dunklen Wintermonaten waren diese Camps Orte, in denen die Menschen die nächste Jagd planten, Ausrüstung reparierten, Essen untereinander teilten und Geschichten erzählten. Diese Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, waren unterhaltsam. Aber sie lehrten und dokumentierten auch das Wissen, das zum Überleben in einem rauhen Land unabdingbar war.

16. Auf den Spuren der Geschichte

Spuren aus Beringia werden auf unterschiedlichste Art und Weise entdeckt. Die Knochen von eiszeitlichen Tieren können freigelegt werden, wenn ein Fluß Steilufer angräbt oder wenn Erdreich durch Maschinen abgetragen wird. Über Generationen hinweg haben die Ureinwohner des nördlichen Yukon Forschern dabei geholfen, einige der wichtigsten Entdeckungen bezüglich der Eiszeit zu machen. Auch Goldgräber finden reichhaltige Fossilienvorkommen in der Klondike-Region, viele Meter unter der Oberfläche, wenn sie zu goldhaltigen Schichten hinuntergraben. Beginnend mit dem Klondike-Goldrausch haben Goldgräber nicht nur Knochen gefunden, sondern auch gefrorene Kadaver von vor langer Zeit ausgestorbenen Tieren. Knochen aus dem Pleistozän weisen gelegentlich Einschnitte auf, die mit frühzeitlichen Steinwerkzeugen gemacht wurden - Hinweise auf die ersten Menschen.

Entdeckungen von Fossilien und künstlichen Gegenständen stellen den Schlüssel dar, der uns die Geheimnisse der Vergangenheit erschließen läßt. Viele Goldgräber werden jedes Jahr von Paläontologen, die die Fossilienausbeute der Saison begutachten, besucht. Falls Sie ein Fossil oder künstlichen Gegenstand finden, sollten Sie die Entdeckung der Yukon Heritage Branch oder der örtlichen First Nation-Verwaltung (falls der Fund auf First Nation Land gemacht wurde) melden. Ihre Kooperationsbereitschaft könnte dazu beitragen, so grundlegende Fragen wie den Zeitpunkt der Ankunft der ersten Menschen in der Neuen Welt zu klären. Das Personal im Beringia Centre kann Ihnen helfen, mit den entsprechenden Behörden in Kontakt zu treten.

18. Saiga Antilope

Die Saiga Antilopen sind kleine, leichte (26 – 32 kg) und schnellfüßige Tiere, die Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen können. Saigas trifft man heute nur in Zentralasien an, im Pleistozän reichte ihre Verbreitung jedoch von England im Westen bis nach Baille Island in den Northwest Territories. Diese Tierart ist in trockenen, steppenartigen Grasländern wie Beringia beheimatet. Saigas hielten sich wahrscheinlich nur in der trockensten und kältesten Periode der Eiszeit hier auf.

Ihre eigentümliche Nase ermöglichte ihnen, unter kalten und staubigen Bedingungen zu atmen – eine hervorragende Anpassung an den feinen, windverfrachteten Lößstaub, der in Beringia häufig anzutreffen war.

Während die Weibchen kein Gehörn aufweisen haben die Männchen dünne, geringelte Hörner. Fossilien von Saigas wurden in 13.000 Jahre alten Ablagerungen bei den Bluefish Caves gefunden.
21. Where Legends Meet

Diese Skulptur basiert auf zwei von First Nation-Gruppen überlieferten Legenden über die Erschaffung der Welt: Ch’itahùukaii, der Wanderer, und Crow makes the world (Der Rabe erschafft die Welt). Wir sehen Ch’itahùukaii am Ende seiner Reise, als er die Welt durch eine kreisförmige Öffnung zwischen Meer und Himmel verläßt. Auf dem Kreis ist das Abbild von Crow, als sie der Welt Licht bringt.

23. Der Steppenbison

Die Verbreitung des Steppenbison erstreckte sich während der Eiszeit über Nordeuropa, Asien und Beringia. Er lebte in Beringia während der letzten 700.000 Jahre und war eines der am weitesten verbreiteten und am häufigsten gejagten Tiere dieser Regionen. Im restlichen Teil des westlichen Nordamerikas kam er nur an wenigen vereinzelten Stellen vor.

Anstatt auszusterben hat sich der Steppenbison angepaßt und in die heutigen Wald und Steppenbüffel weiterentwickelt. Die jüngsten Funde von Bisonfossilien sind etwa 8.000 Jahre alt.

Wir wissen von in Kadavern erhalten gebliebenen Pflanzenresten und Pollen, daß sich der Steppenbison hauptsächlich von Gräsern ernährte.

Der berühmteste Kadaver, der jemals gefunden wurde, war "Blue Babe", ein großer männlicher Steppenbison. "Blue Babe" ist etwa 31.000 Jahre alt und ein typisches Beispiel für die Erhaltung von gefrorenen Kadavern aus der Eiszeit. Blue Babe wurde von Amerikanischen Löwen getötet und sein Körper gefror schnell, als die Raubtiere daran fraßen. Die Überreste des Körpers wurden schließlich von einem Erdrutsch, der Teil des Permafrostbodens wurde, begraben. Wie viele andere Funde aus der Eiszeit wurde dieser Büffel von einem Goldsucher entdeckt. Blue Babe ist jetzt im Museum der Universität von Alaska/Fairbanks ausgestellt.

33. Die ersten Menschen

Beringia war vermutlich das Tor zur Neuen Welt - der letzte Kontinent der von der Menschheit besiedelt wurde. Die Ausdehnung der menschlichen Bevölkerung auf Ost-Beringia geschah während einer Zeit, die die Archäologen als das Obere Paläolith (die ausgehende Steinzeit) bezeichnen. Diese Periode der menschlichen Geschichte, von 40.000 bis zu vor 10.000 Jahren, umfaßt das Auftreten des modernen Menschen (Homo sapiens sapiens).

Die Fähigkeit der Menschen, sich an die Mammutsteppe anzupassen, geht zurück auf eine Reihe von kulturellen und technischen Erfindungen des Oberen Paläolith. Von maßgebender Bedeutung war die Entwicklung von verbesserten Sozialstrukturen, die die Verbreitung von Ideen und Wissen zwischen kleinen und weit verstreuten Gruppen erleichterte. Die kultivierten Formen der Kunst im Oberen Paläolith sind, im Grunde genommen, symbolische Kommunikation. Die Tradition des Geschichtenerzählens ("Storytelling") reifte ebenfalls heran - ein Mittel um wichtige Informationen zu kodieren. Die Mythen und Legenden vieler First Nation Kulturgruppen von heute sind reich an detailliertem Wissen bezüglich Landschaft, Tiervorkommen, Überlebenstechniken und sozialen Aspekten.

Technologien, die für das Obere Paläolith in Eurasien und Beringia kennzeichnend sind, umfassen: geschneiderte Kleidung, Techniken der Lebensmittelverarbeitung und Lagerung, Behausungen, kontrollierter Gebrauch von Feuer, Jagdtechniken, einschließlich Umzingeln, Treiben und Fischen. "Werkzeugsammlungen" konnten viele Geräte aus Knochen oder Stein enthalten, die innovative Erscheinungen wie Miniaturisierung und Standardisierung wiederspiegeln.

Diese kulturellen und technischen Eigenschaften lassen uns die Errungenschaften dieser Eiszeitmenschen des Oberen Paläoliths - der "Beringianer", die gleichzeitig die ersten Amerikaner waren - würdigen.

34. Bluefish Caves (Blaufisch Höhlen)

Dieses Diorama stellt die Rekonstruktion einer bedeutenden archäologischen Stätte im nördlichen Yukon dar, die zugleich die bedeutendste in Nordamerika ist. In diesen Höhlen wurden in den 1970er und 80er Jahren Anzeichen gefunden, die beweisen, daß sie in den letzten 15.000 bis 25.000 periodisch von Menschen aufgesucht wurden. Das Ausstellungsstück zeigt Indianer beim Zerwirken eines Karibous vor den Höhlen.

Die drei kleinen Bluefish Caves liegen im nördlichen Yukon, 50 km südwestlich von Old Crow. Sie befinden sich am Fuß eines Kalk-Urgesteinrückens, am mittleren Abschnitt des Bluefish Rivers, etwa 200 Meter über der Talsohle.

Die Szene, die im Diorama dargestellt ist, basiert auf den Resultaten, die während den sechs Sommer dauernden Ausgrabungsarbeiten gefunden wurden. Pollen, Tierknochen, Bodenablagerungen, Radiocarbon-Datierungen und kulturelle Fundstücke wurden benutzt, um eine Interpretation für die Szene, die Sie hier sehen, zu entwickeln.

Die bisher zusammen getragenen Beweise zeigen an, daß die Bluefish Caves über einen Zeitraum von 15.000 Jahren hinweg periodisch von kleinen Jägergruppen besucht wurden.

Die Landschaftsdarstellung im Hintergrund zeigt Herbstvegetation, die typisch für diese Zeit war: Flußbegleitende Wälder aus gedrungenen Pappeln und Weiden sind im Tal vorzufinden, während sich Gräser und Kräuter der Mammutsteppe in den trockeneren und höheren Lagen befinden.

Eine kleine Karibougruppe hält sich in der Nähe der Höhlen auf. In der Luft verteilt ist ein feiner Hauch von windverfrachtetem Staub oder Löß, aus den im Norden gelegenen Old Crow- und Bluefish-Tiefländern stammend. Damals wie heute war das Karibou ein lebensnotwendiges Tier. In dieser Szene zerteilt ein Mitglied der Jägergruppe ein Karibou mit einem Steinmesser. Der Mann, der am Eingang der Höhle kniet, ist gerade dabei, Knochensplitter von einem Mammutbeinknochen abzuschlagen. Solche Splitter, die aus dickwandigen Mammutknochen gewonnen wurden, konnten zum Zerkleinern von Jagdbeute und zum Abschaben der Häute benutzt werden.
Die Kleidung, die von den Puppen getragen wird, basiert auf Stücken der Gwitchin Ureinwohner aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Diese kleidsamen und wohldurchdachten Kleidungsstücke repräsentieren wahrscheinlich ein Grunddesign, das Wärme und Bewegungsfreiheit bietet und sich seit der letzten Eiszeit nicht wesentlich verändert hat.

Die Bruchstücke von Knochen, die vor den Höhleneingängen verstreut liegen, sind ein Zeichen von eventuell frühen Besuchen durch andere Jäger oder der Anwesenheit von Raubtieren und Aasfressern, die diese Felsbehausungen ebenfalls benutzten und mit den menschlichen Jägern in Konkurrenz um Nahrung standen.

35. Steppenpferde

Ein teilweise erhaltener Kadaver eines kleinen, ausgestorbenen Yukon-Pferdes (Equus lambei) wurde im September 1993 am Last Chance Creek nahe Dawson City von den Goldgräbern Lee Olynyk und Ron Toews gefunden. Es ist der am besten konservierte Kadaver eines der größeren eiszeitlichen Tiere, die in Kanada gefunden wurden. Der größte Teil des rechten Vorderbeins, einschließlich getrocknetem Fleisch, Haut und Haaren im unteren Bereich, und ein Großteil des Felles und der Mäne, waren intakt. Dieser Fund trägt auf großartige Weise zum unserem Wissen über diese Tierart bei.

Die bisher durchgeführten Studien zeigen, daß das Pferd ein großes, männliches Tier war und daß die Farbe seiner Haare von schwarz-braun über dem Huf über kastanienbraun bis zu blond an der Mäne reichte. Die Haut des Pferdes befindet sich derzeit im Canadian Conservation Institute in Ottawa und wird stabilisiert.

Neuere Untersuchungen von Knochen, die für Datenbestimmung mittels der C14 Methode zur Verfügung gestellt wurden, zeigen an, daß das Pferd vor etwa 26.000 Jahren während einer relativ warmen Periode kurz vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit starb.

Studien des erhaltenen DNA-Materials des Pferdekadavers zeigen an, daß das Yukon Wild Horse eng mit dem modernen Pferd verwandt ist. Diese Pferde zogen während der zweiten Hälfte der letzten Eiszeit in großen Herden über die steppenähnlichen Grasländer des nordwestlichen Nordamerikas und starben vor etwa 10.000 Jahren aus.

Dank dieses Fundes konnten wir unser Wissen über diese Tierart stark erweitern und konnten ein weiteres Stück in das Beringianische Puzzle einpassen.

38. Beringia Mythologie des „Wanderers"

In der Schöpfungsgeschichte der First Nations tauchen Ereignisse vom Ende der letzten Eiszeit wieder auf. Legenden wie „How Crow Made The World" reflektieren die Umweltveränderungen und gewaltige Fluten. Weit zurück reichende Erinnerungen an Tiere der Eiszeit tauchen in Geschichten über den Kulturheld der Gwitchin First Nation, den „Wanderer" (Ch’itahùukaii) und den Helden der Tutchone, Bibermann (Soh Jhee oder Asuya) wieder auf. Der Wanderer und Bibermann zogen über das Land und verwandelten die Tiere von einst - Giganten und Menschenfresser - zu den uns heute bekannten im Yukon vorkommenden Arten.

39. Mythen des Wanderers und der Krähe

Als Temperaturen zum Ende der Eiszeit anstiegen, wurden enorme Mengen Schmelzwasser von den zurückweichenden Gletschern freigesetzt.

Der Mythologie zufolge hat der Rabe als Schöpfer aus diesem überflutetem Land die heutige Welt erschaffen. Zu Beginn der Welt zogen der Gwitchin Kulturheld Ch’itahùukaii, (der Wanderer) und der Tutchone-Held Soh Jhee oder Asuya (Biber Mann), über das Land um die riesigen und menschen-fressenden Tiere in die heute bekannten Arten zu verwandeln. Wahrscheinlich beziehen sich diese Geschichten zurück auf weit zurückreichende Erinnerungen an die "Megafauna" der Eiszeit und die riesigen Beutejäger Beringias.